
Deutschland baut Solar- und Windkraft weiter massiv aus. Besonders die Photovoltaik entwickelt sich zum Wachstumstreiber der Energiewende. Gleichzeitig kommt auch der Ausbau der Windenergie wieder stärker voran. Die aktuellen Zahlen für 2026 zeigen jedoch ein differenziertes Bild: Bei Solarstrom liegt Deutschland beim Ausbau weitgehend auf Kurs, während bei Windkraft noch deutlich mehr Tempo erforderlich ist.
Für die Betrachtung des Jahres 2026 sind zwei Datenebenen wichtig: die vollständige Bilanz für 2025 sowie die bereits verfügbaren Ausbauzahlen für die ersten Monate beziehungsweise das erste Halbjahr 2026. Das Umweltbundesamt (UBA) weist ausdrücklich darauf hin, dass eine belastbare Hochrechnung für das gesamte Jahr 2026 derzeit noch nicht möglich ist. (Umweltbundesamt)
Die wichtigsten Zahlen zum Solar- und Windkraft-Boom 2026
Ein Blick auf die aktuellen Daten zeigt die Größenordnung des Ausbaus:
| Kennzahl | Aktueller Stand |
|---|---|
| Erneuerbare Stromerzeugung 2025 | 290,2 TWh |
| Anteil Erneuerbare am Bruttostromverbrauch 2025 | 55,1 % |
| PV-Leistung Ende 2025 | knapp 120 GW |
| PV-Zubau 2025 | ca. 17,6 GW |
| Windleistung Ende 2025 | rund 77,9 GW |
| Wind-Zubau 2025 | ca. 5,1 GW |
| PV-Zubau 1. Halbjahr 2026 | rund 8 GW |
| Wind Onshore-Zubau 1. Halbjahr 2026 | rund 2 GW |
| Erneuerbare Stromerzeugung 1. Halbjahr 2026 | rund 153 TWh |
| Erneuerbaren-Anteil am Bruttostromverbrauch, 1. Halbjahr 2026 | rund 57 % |
Die Zahlen stammen aus den aktuellen Veröffentlichungen von UBA und Bundesnetzagentur. (Umweltbundesamt)
2025: Fast 23 Gigawatt neue Erneuerbaren-Leistung
Bereits 2025 erreichte Deutschland beim Ausbau erneuerbarer Kraftwerke einen neuen Höchststand.
Nach Angaben des Umweltbundesamtes kamen insgesamt knapp 23 Gigawatt (GW) neue Leistung hinzu. Damit wurde der bisherige Rekord von rund 22 GW aus dem Jahr 2024 nochmals übertroffen.
Die gesamte installierte Leistung der erneuerbaren Stromerzeugung lag damit bei mehr als 214 GW. Der größte Teil des Zubaus entfiel auf Photovoltaik. (Umweltbundesamt)
Das zeigt, wie stark sich der deutsche Kraftwerkspark innerhalb weniger Jahre verändert hat.
Photovoltaik ist der große Wachstumstreiber
Besonders dynamisch entwickelt sich die Solarenergie.
Ende 2025 waren in Deutschland Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 120 Gigawatt installiert.
Allein 2025 kamen rund 17,6 GW hinzu. Das entsprach einem Wachstum der installierten Leistung von ungefähr 17 Prozent. (Umweltbundesamt)
Damit hat sich die installierte Photovoltaikleistung innerhalb von nur wenigen Jahren nahezu verdoppelt.
Das Wachstum verteilt sich inzwischen auf verschiedene Anlagentypen:
- Dachanlagen,
- Fassadenanlagen,
- Freiflächenanlagen,
- Gewerbeanlagen,
- Balkonkraftwerke.
Interessant ist dabei die zunehmende Bedeutung großer Freiflächenanlagen.
Nach ersten Angaben der Bundesnetzagentur entfielen 2025 etwa 8,1 GW beziehungsweise 46 Prozent des PV-Zubaus auf Gebäudeanlagen. Rund 8,3 GW beziehungsweise gut 47 Prozent kamen von Freiflächenanlagen. (Umweltbundesamt)
Solarstrom: 91,6 Terawattstunden im Jahr 2025
Nicht nur die installierte Leistung wächst.
Auch die tatsächliche Solarstromproduktion nimmt stark zu.
2025 erzeugten Photovoltaikanlagen in Deutschland insgesamt rund 91,6 Terawattstunden (TWh) Strom.
Gegenüber 2024 entsprach das einem Plus von mehr als 21 Prozent. (Umweltbundesamt)
Damit war Photovoltaik 2025 nach der Windenergie der zweitgrößte erneuerbare Stromlieferant Deutschlands.
Allerdings sollte man bei Jahresvergleichen immer berücksichtigen, dass die Stromproduktion einer Solaranlage nicht nur von ihrer installierten Leistung, sondern auch von der Sonneneinstrahlung abhängt.
2025 war in Deutschland ein vergleichsweise sonnenreiches Jahr.
2026: Solar-Ausbau geht weiter
Auch 2026 bleibt der PV-Ausbau auf hohem Niveau.
Im ersten Halbjahr wurden laut UBA etwa 8 GW neue Photovoltaikleistung installiert. Damit konnte das gesetzliche Zwischenziel von 128 GW installierter PV-Leistung für Ende 2026 bereits im Sommer erreicht werden beziehungsweise war zu diesem Zeitpunkt in Reichweite. (Umweltbundesamt)
Das ist ein wichtiger Unterschied zwischen Solar- und Windenergie:
Beim Solar-Ausbau befindet sich Deutschland derzeit näher am vorgesehenen Ausbaupfad.
Das bedeutet allerdings nicht, dass der langfristige Ausbau bereits gesichert ist.
215 Gigawatt Solarleistung bis 2030
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz sieht für Photovoltaik ein Ziel von 215 GW im Jahr 2030 vor.
Das Zwischenziel für 2026 liegt bei 128 GW. (Umweltbundesamt)
Nach dem starken Zubau der vergangenen Jahre scheint das 2026er Zwischenziel erreichbar.
Doch anschließend bleibt die Herausforderung groß.
Um das 2030-Ziel zu erreichen, ist nach Angaben des UBA in den Jahren bis 2030 ein durchschnittlicher weiterer Ausbau von etwa 20 GW pro Jahr erforderlich. (Umweltbundesamt)
Der Solarboom müsste also noch mehrere Jahre auf hohem Niveau anhalten.
Balkonkraftwerke: Millionen kleine Solaranlagen
Ein besonderer Teil des Solarbooms findet auf Balkonen statt.
Nach Schätzungen der AGEE-Stat kamen 2025 rund 1,3 Millionen neue Balkonsolaranlagen hinzu.
Damit waren Ende 2025 insgesamt ungefähr 4,2 Millionen Balkonsolaranlagen mit einer Leistung von rund 3,7 GW installiert. (Umweltbundesamt)
Obwohl die Zahl beeindruckend ist, ist ihr Anteil an der gesamten installierten PV-Leistung relativ gering.
Der Grund ist einfach: Ein Balkonkraftwerk hat normalerweise eine wesentlich kleinere Leistung als eine große Dach- oder Freiflächenanlage.
Die Bedeutung liegt daher nicht nur in der erzeugten Strommenge, sondern auch darin, dass Millionen Haushalte selbst zu Stromerzeugern werden.
Windkraft bleibt wichtigste erneuerbare Stromquelle
Trotz des Solarbooms bleibt Windenergie der wichtigste erneuerbare Energieträger Deutschlands.
2025 erzeugten Windenergieanlagen an Land und auf See zusammen rund 133,9 TWh Strom.
Das waren mehr als 40 Prozent der gesamten erneuerbaren Stromproduktion. (Umweltbundesamt)
Windkraft liefert damit weiterhin mehr Strom als Photovoltaik.
Allerdings war 2025 ein ungewöhnlich windarmes Jahr.
Die Windstromproduktion lag deshalb unter dem Vorjahreswert.
Das zeigt zugleich einen wichtigen Punkt der Energiewende: Installierte Leistung und tatsächliche Stromproduktion sind zwei unterschiedliche Größen.
5,1 Gigawatt neue Windleistung 2025
Beim Ausbau der Windenergie gab es 2025 dennoch einen deutlichen Fortschritt.
Die installierte Windleistung an Land und auf See stieg um rund 5,1 GW.
2024 waren es noch etwa 3,3 GW gewesen. (Umweltbundesamt)
Damit beschleunigte sich der Windkraftausbau.
Vor allem die Zahl der Genehmigungen für neue Windkraftanlagen deutet laut UBA darauf hin, dass in den kommenden Jahren weitere Kapazitäten ans Netz kommen könnten. (Umweltbundesamt)
Windkraft 2026: Fortschritte, aber noch nicht genug
Im ersten Halbjahr 2026 wurden bei der Windenergie an Land rund 2 GW neue Leistung installiert.
Ende des ersten Halbjahres waren damit etwa 70 GW Windleistung an Land in Betrieb.
Das Problem: Das EEG-Ziel für Ende 2026 liegt bei 84 GW.
Nach Einschätzung des UBA wird dieses Ziel voraussichtlich deutlich verfehlt. (Umweltbundesamt)
Damit zeigt sich ein klares Gefälle:
Photovoltaik: Ausbauziel 2026 in Reichweite.
Wind Onshore: Ausbauziel 2026 voraussichtlich nicht erreichbar.
Offshore-Windkraft entwickelt sich dynamisch
Eine interessante Entwicklung gibt es bei der Windenergie auf See.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut UBA rund 867 MW neue Offshore-Windleistung installiert.
Damit wurde bereits mehr Leistung zugebaut als in jedem einzelnen Jahr seit 2020. (Umweltbundesamt)
Offshore-Windkraft kann aufgrund der vergleichsweise gleichmäßigen Windverhältnisse auf See eine wichtige Ergänzung zur Photovoltaik darstellen.
Allerdings sind Offshore-Projekte kapitalintensiv und benötigen umfangreiche Netzanschlüsse.
Solar und Wind ergänzen sich
Die Kombination aus Photovoltaik und Windkraft ist für die deutsche Energiewende besonders interessant.
Solarenergie produziert besonders viel Strom:
- im Sommer,
- tagsüber,
- bei hoher Sonneneinstrahlung.
Windkraft kann dagegen:
- nachts,
- im Winter,
- bei starkem Wind
große Strommengen liefern.
Die beiden Technologien können sich deshalb ergänzen.
Allerdings entsteht daraus eine weitere Herausforderung: Das Stromsystem muss ausreichend flexibel sein.
Mehr erneuerbarer Strom bedeutet auch mehr Speicherbedarf
Je größer der Anteil von Wind und Sonne wird, desto wichtiger werden Speicher und flexible Verbraucher.
Wenn an einem sonnigen und windreichen Tag mehr Strom produziert wird als gleichzeitig benötigt wird, kann die überschüssige Energie beispielsweise in Batteriespeichern zwischengespeichert werden.
Weitere Möglichkeiten sind:
- Pumpspeicher,
- Batteriespeicher,
- Power-to-Heat,
- Elektrolyseure,
- flexible Industrieprozesse,
- intelligente Ladesysteme für Elektroautos.
Das UBA betont 2026 ausdrücklich, dass neue Großbatteriespeicher für ein flexibleres Stromsystem wichtig sind. (Umweltbundesamt)
Das Stromnetz muss mitwachsen
Der Ausbau von Wind- und Solarparks verändert außerdem die geografische Struktur der Stromerzeugung.
Windparks stehen häufig in Nord- und Ostdeutschland.
Große Mengen Solarleistung entstehen dagegen in vielen Regionen, unter anderem in Bayern und Baden-Württemberg.
Der erzeugte Strom muss jedoch dorthin gelangen, wo er benötigt wird.
Daher gewinnen folgende Themen an Bedeutung:
- Netzausbau,
- Verteilnetze,
- Batteriespeicher,
- Lastmanagement,
- Digitalisierung,
- Netzausbau für neue Industrieanlagen.
Der Ausbau von Erzeugungskapazitäten allein reicht deshalb nicht aus.
55,1 Prozent erneuerbarer Strom
2025 stammten 55,1 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien.
2024 waren es 54,4 Prozent. (Umweltbundesamt)
Insgesamt wurden 2025 rund 290,2 TWh erneuerbarer Strom erzeugt.
Damit erreichte Deutschland einen neuen Höchststand bei der erneuerbaren Stromerzeugung. (Umweltbundesamt)
Die Entwicklung zeigt, dass erneuerbare Energien inzwischen nicht mehr nur eine Ergänzung des Stromsystems sind.
Sie bilden dessen wichtigste Säule.
57 Prozent im ersten Halbjahr 2026
Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch auf rund 57 Prozent.
Insgesamt wurden in diesem Zeitraum etwa 153 TWh erneuerbarer Strom erzeugt – rund sechs Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. (Umweltbundesamt)
Dabei war Windenergie erneut die wichtigste Quelle.
Die Verteilung der erneuerbaren Stromproduktion im ersten Halbjahr 2026 sah laut UBA ungefähr so aus:
| Energiequelle | Anteil an erneuerbarer Stromproduktion |
|---|---|
| Windenergie | ca. 45 % |
| Photovoltaik | ca. 34 % |
| Biomasse | ca. 15 % |
| Wasserkraft | ca. 5 % |
| Geothermie | unter 1 % |
Damit dominieren Wind und Sonne gemeinsam den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung.
Warum Solar und Wind für die Klimaziele so wichtig sind
Der Ausbau erneuerbarer Energien reduziert nicht nur die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.
Er trägt auch direkt zum Klimaschutz bei.
Nach vorläufigen Berechnungen wurden 2025 durch den Einsatz erneuerbarer Energien insgesamt rund 265 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente an fossilen Treibhausgasemissionen vermieden.
Davon entfielen etwa:
- 207 Mio. t auf den Stromsektor,
- 43 Mio. t auf den Wärmesektor,
- 15 Mio. t auf den Verkehr. (Umweltbundesamt)
Das verdeutlicht die Bedeutung des Ausbaus.
Der Solarboom allein reicht nicht
Trotz der beeindruckenden PV-Zahlen wäre es falsch, die Energiewende auf Solarenergie zu reduzieren.
Deutschland benötigt gleichzeitig:
- Windkraft,
- Solarenergie,
- Speicher,
- Stromnetze,
- flexible Kraftwerke,
- Wasserkraft,
- Biomasse,
- Geothermie,
- Energieeffizienz.
Besonders wichtig wird die Kombination mit der Elektrifizierung anderer Sektoren.
Wärmepumpen brauchen grünen Strom
Die Wärmewende ist eng mit dem Ausbau erneuerbarer Energien verbunden.
Je mehr Haushalte auf Wärmepumpen umsteigen, desto größer wird der Strombedarf.
Das ist klimapolitisch sinnvoll, wenn dieser zusätzliche Strom überwiegend aus erneuerbaren Quellen stammt.
Der Ausbau von Solar- und Windkraft schafft damit die Grundlage für eine zunehmende Elektrifizierung der Wärmeversorgung.
Auch Elektroautos erhöhen die Stromnachfrage
Ähnliches gilt für die Mobilität.
Elektroautos ersetzen fossile Kraftstoffe zunehmend durch Strom.
Damit verschiebt sich ein Teil des Energieverbrauchs vom Mineralölsektor in den Stromsektor.
Für die Klimabilanz ist entscheidend, wie dieser Strom erzeugt wird.
Je höher der Anteil erneuerbarer Energien ist, desto größer ist das Klimaschutzpotenzial der Elektromobilität.
23 Gigawatt neue Erneuerbare 2025: Rekordniveau
Ein besonders wichtiger Wert für die Energiewende 2026 ist der Rekordzubau von knapp 23 GW erneuerbarer Kraftwerksleistung im Jahr 2025.
Damit wurde das bisherige Rekordjahr 2024 noch einmal übertroffen. (Umweltbundesamt)
Der Großteil des Wachstums kam von der Photovoltaik.
Das zeigt, dass die Energiewende inzwischen eine Größenordnung erreicht hat, bei der jedes Jahr neue Kraftwerkskapazitäten im zweistelligen Gigawattbereich hinzukommen.
Doch der Ausbau ist regional sehr unterschiedlich
Der Solar- und Windkraftausbau verteilt sich nicht gleichmäßig über Deutschland.
Bei Photovoltaik gehört beispielsweise Bayern zu den Bundesländern mit besonders hoher installierter Leistung.
Bei Windenergie spielen dagegen insbesondere Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern eine wichtige Rolle.
Die Bundesnetzagentur veröffentlicht im Marktstammdatenregister detaillierte Zahlen nach Bundesländern. Für Januar 2026 wurden beispielsweise rund 1.005 MW neuer Solarleistung, 170 MW Windenergie an Land und knapp 126 MW Offshore-Windleistung ausgewiesen. (Bundesnetzagentur)
Wie viel Solarleistung braucht Deutschland noch?
Das EEG-Ziel für 2030 beträgt 215 GW Photovoltaikleistung.
Von knapp 120 GW Ende 2025 ausgehend ist damit noch ein erheblicher Ausbau erforderlich. (Umweltbundesamt)
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob Deutschland Solarenergie stark ausbauen kann.
Das hat der Boom der vergangenen Jahre bereits gezeigt.
Die Frage lautet vielmehr:
Kann Deutschland das hohe Ausbautempo bis 2030 dauerhaft aufrechterhalten?
Windkraft benötigt noch mehr Geschwindigkeit
Bei der Windenergie ist die Situation schwieriger.
Das UBA kommt zu dem Schluss, dass bei Windenergie an Land und auf See für die Erreichung der Ziele eine weitere Beschleunigung notwendig ist. (Umweltbundesamt)
Positiv ist die Entwicklung bei Genehmigungen.
Zwischen Genehmigung und tatsächlicher Inbetriebnahme können allerdings mehrere Jahre liegen.
Deshalb schlägt sich eine steigende Zahl von Genehmigungen nicht sofort in der installierten Leistung nieder.
Genehmigungen als Frühindikator
Für die kommenden Jahre ist deshalb nicht nur interessant, wie viele Windräder bereits stehen.
Ebenso wichtig ist:
Wie viele Anlagen sind genehmigt und befinden sich in der Projektpipeline?
Eine große Zahl genehmigter Projekte kann darauf hindeuten, dass der tatsächliche Ausbau künftig stärker zunimmt.
Genau diese Entwicklung beobachtet das UBA derzeit bei der Windenergie. (Umweltbundesamt)
Was bedeutet der Boom für den Strompreis?
Ein höherer Anteil erneuerbarer Energien kann die Stromerzeugungskosten langfristig beeinflussen.
Wind- und Solarenergie benötigen nach der Errichtung keine Brennstoffzufuhr wie Kohle- oder Gaskraftwerke.
Allerdings bedeutet mehr erneuerbarer Strom nicht automatisch, dass der Strompreis für Haushalte kurzfristig entsprechend stark sinkt.
Denn der Endkundenpreis setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen:
- Beschaffung und Vertrieb,
- Netzentgelte,
- Steuern,
- Abgaben,
- Umlagen und weiteren Kostenbestandteilen.
Außerdem entstehen Kosten für Netzausbau und Flexibilität.
Die Energiewende wird zum Systemprojekt
Der Solar- und Windkraft-Boom 2026 zeigt deshalb eine wichtige Entwicklung:
Die Energiewende besteht längst nicht mehr nur aus dem Bau neuer Windräder und Solaranlagen.
Sie umfasst zunehmend ein komplettes Energiesystem.
Dazu gehören:
Erzeugung → Netze → Speicher → Verbrauch → Digitalisierung → Flexibilität
Nur wenn diese Bereiche gemeinsam wachsen, kann Deutschland große Mengen erneuerbaren Stroms zuverlässig integrieren.
Ausblick bis 2030
Die wichtigsten Ausbauziele lassen sich so zusammenfassen:
Photovoltaik
Ziel 2030: 215 GW
Stand Ende 2025: knapp 120 GW
Zwischenziel 2026: 128 GW
Der PV-Ausbau liegt damit derzeit vergleichsweise gut im Plan. (Umweltbundesamt)
Windenergie
Bei der Windenergie ist der Ausbaupfad ambitionierter.
Die Bundesregierung beziehungsweise das EEG sieht einen deutlichen Ausbau sowohl an Land als auch auf See vor.
Der aktuelle Stand zeigt jedoch, dass insbesondere Onshore-Windkraft noch schneller wachsen muss. Das UBA erwartet, dass das Zwischenziel von 84 GW Windleistung an Land Ende 2026 verfehlt wird. (Umweltbundesamt)
Fazit: Solar boomt, Wind holt auf
Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat 2026 eine neue Größenordnung erreicht.
Die wichtigsten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:
- knapp 120 GW Photovoltaik waren Ende 2025 installiert.
- Rund 17,6 GW Solarleistung kamen 2025 hinzu.
- Die Solarstromproduktion erreichte 91,6 TWh.
- Windkraft verfügte Ende 2025 über rund 77,9 GW Leistung.
- Windenergie erzeugte 2025 rund 133,9 TWh Strom.
- Insgesamt stammten 55,1 Prozent des Bruttostromverbrauchs 2025 aus erneuerbaren Energien.
- Im ersten Halbjahr 2026 lag dieser Anteil bereits bei rund 57 Prozent.
- Im ersten Halbjahr 2026 kamen etwa 8 GW Photovoltaikleistung hinzu.
- Beim Windkraftausbau an Land wurden rund 2 GW neue Leistung installiert. (Umweltbundesamt)
Die Bilanz fällt deshalb zweigeteilt aus: Solarenergie befindet sich beim Ausbau derzeit näher am Zielpfad, während Windenergie noch deutlich beschleunigt werden muss.
Gleichzeitig wird die nächste Phase der Energiewende anspruchsvoller. Mehr Wind und Sonne benötigen leistungsfähige Stromnetze, Speicher und flexible Verbraucher. Hinzu kommen Wärmepumpen und Elektroautos, die den Strombedarf weiter verändern werden.
Der Boom bei Solar- und Windkraft ist damit ein wichtiger Schritt – aber nicht das Ende der Energiewende. Entscheidend wird sein, ob Deutschland es schafft, Erzeugung, Netze, Speicher und Verbrauch im gleichen Tempo weiterzuentwickeln.
Quellen und weiterführende Informationen
- Umweltbundesamt – Erneuerbare Energien in Deutschland: Wachstum 2025 – aktuelle Zahlen zu Solar, Wind und erneuerbarem Strom. (Umweltbundesamt)
- Umweltbundesamt – Erneuerbare Energien in Zahlen – Daten zu installierter Leistung und Stromerzeugung. (Umweltbundesamt)
- Umweltbundesamt – Erstes Halbjahr 2026: Erneuerbare Energien wachsen – aktuelle Zwischenbilanz für 2026. (Umweltbundesamt)
- Bundesnetzagentur – Statistik zur Stromerzeugungsleistung erneuerbarer Energien – aktuelle Daten aus dem Marktstammdatenregister. (Bundesnetzagentur)
- Umweltbundesamt – Erneuerbare Energien in Deutschland 2025 – ausführlicher Jahresbericht der AGEE-Stat mit Tabellen und Hintergrunddaten. (Umweltbundesamt)