Erneuerbare Energien in Deutschland 2026: Die wichtigsten Statistiken im Überblick

Erneuerbare Energien in Deutschland 2026 Die wichtigsten Statistiken im Überblick

Deutschlands Energiewende liefert 2026 neue Rekorde, aber auch deutliche Warnsignale. Dieser Beitrag fasst die aktuellen Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 zusammen und ordnet ein, wo der Ausbau gut läuft und wo er hinterherhinkt. Da die Daten für das Gesamtjahr noch nicht vorliegen, beziehen sich alle Werte auf Januar bis Juni, sofern nicht anders angegeben.

Strom: Rund 57 bis 58 Prozent aus erneuerbaren Quellen

Laut der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat) stammten im ersten Halbjahr 2026 rund 57 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen (2025: 54 Prozent, 2024: 57 Prozent). Erzeugt wurden dabei rund 153 Terawattstunden, sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

BDEW und ZSW kommen mit eigener Berechnung auf einen etwas höheren Wert: 58,0 Prozent am Bruttostromverbrauch, ein neuer Rekord für ein erstes Halbjahr, und 57,7 Prozent bezogen auf die Bruttostromerzeugung. Die Abweichung zwischen 57 und 58 Prozent ist kein Widerspruch, sondern entsteht durch unterschiedliche Datenstände und Methoden. Wer Zahlen vergleicht, sollte deshalb immer auf die Quelle und die Bezugsgröße achten.

Die Quote liegt deutlich über dem Wert für das Gesamtjahr 2025 von 55,8 Prozent. Ein Teil des Anstiegs hat mit dem Wetter zu tun. Das erste Halbjahr 2025 war außergewöhnlich windarm, 2026 lagen die Windgeschwindigkeiten näher am langjährigen Mittel. Nach Angaben von BDEW und ZSW stieg die Stromerzeugung aus Windenergie an Land um 7,0 Prozent und auf See um 28,3 Prozent.

Wer liefert den Ökostrom?

Nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) ist die Windenergie mit einem Anteil von rund 45 Prozent weiterhin die tragende Säule der erneuerbaren Stromproduktion, gefolgt von Photovoltaik mit 34 Prozent, Biomasse mit 15 Prozent, Wasserkraft mit fünf Prozent und Geothermie mit weniger als einem Prozent.

Photovoltaik: Ausbauziel schon im Sommer erreicht

Der Solarausbau läuft schneller als geplant. Laut UBA wurden im ersten Halbjahr rund acht Gigawatt neue Bruttoleistung installiert, womit das EEG-Ziel von 128 Gigawatt installierter PV-Leistung für 2026 bereits im Sommer erreicht wird. Der Bundesverband Solarwirtschaft schätzt den Zubau auf 7,4 Gigawatt, die Zahlen unterscheiden sich also leicht je nach Erhebung.

Windenergie an Land: Zubau hinkt dem Ziel hinterher

Bei der Windkraft an Land ist das Bild gemischt. Zum Ende des ersten Halbjahres waren etwa 70 Gigawatt installiert, bei einem Netto-Zubau von rund zwei Gigawatt. Das EEG-Ziel von 84 Gigawatt zum Jahresende wird voraussichtlich deutlich verfehlt. Das UBA weist darauf hin, dass der aktuelle Zubau die wachsende Zahl von Neugenehmigungen noch nicht widerspiegelt. Die Genehmigungslage verbessert sich also, die Anlagen stehen aber noch nicht.

Wärme: Wärmepumpen legen kräftig zu

Die erneuerbare Wärmeerzeugung betrug laut UBA etwa 121 Terawattstunden, ein Plus von drei Prozent. Die mit Wärmepumpen nutzbar gemachte Umweltwärme und oberflächennahe Geothermie stieg um über 19 Prozent. Knapp zwei Drittel der erneuerbaren Wärme stammen weiterhin aus fester Biomasse, also vor allem aus Holz. Die kühlere Witterung im ersten Quartal erhöhte den Heizbedarf insgesamt.

Verkehr: Höchster Halbjahreswert, aber niedriges Niveau

Im Verkehrssektor wurden rund 27 Terawattstunden aus erneuerbaren Quellen eingesetzt, 13 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und der bisher höchste Halbjahreswert. Treiber waren die höhere Treibhausgasminderungsquote und damit mehr Biokraftstoffe sowie ein um über 20 Prozent gestiegener Einsatz erneuerbaren Stroms im Straßenverkehr. Den Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr beziffert das UBA für das Gesamtjahr 2025 auf 8,0 Prozent. Hier ist also noch viel Luft nach oben.

Einordnung: Was die Zahlen bedeuten

  1. Der Strommarkt ist auf Kurs, der Rest nicht ausreichend. Der Strom wird immer grüner, aber Wärme und Verkehr sind die Baustellen, die über die Klimaziele entscheiden. UBA-Präsident Dirk Messner mahnt, die Wärme- und Verkehrswende müssten weiter beschleunigt werden, und fordert zudem neue Großbatteriespeicher für ein flexibleres Stromsystem.
  2. Wetter beeinflusst die Statistik erheblich. Ein Teil des Rekords erklärt sich aus dem windschwachen Vergleichszeitraum 2025. Halbjahreswerte sind deshalb nur bedingt ein Trend. Eine belastbare Hochrechnung auf das Gesamtjahr ist laut UBA derzeit nicht möglich.
  3. Wind und Sonne entwickeln sich unterschiedlich. Solar übertrifft die Ziele, Windkraft an Land bleibt dahinter. Für ein stabiles System braucht es beides sowie Speicher und Netze.

Fazit

Die Statistik zum ersten Halbjahr 2026 zeigt eine Energiewende, die beim Strom gut vorankommt und bei Wärme und Verkehr aufholt. Entscheidend wird sein, ob die vielen neu genehmigten Windräder jetzt tatsächlich gebaut werden und ob Speicher und Netze mit dem Zubau Schritt halten. Die endgültigen Jahreszahlen für 2026 dürften Anfang 2027 vorliegen.

Quellen

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